Begründung der Jury

Vertreibung, Flucht, Migration – diese Phänomene sind uns in den letzten Monaten so nahe gekommen wie lange nicht mehr. Dabei übersehen wir leicht, dass große Bevölkerungsbewegungen zur Geschichte unseres Kontinents immer dazugehört haben.

Ein fast vergessenes Kapitel europäischer Migrationsgeschichte wird in der bei Deutschlandradio Kultur erschienenen Multimedia-Reportage »Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück« aufgeschlagen: Im Zuge der ersten Einwanderungswelle von italienischen Gastarbeitern kamen in den 1960er Jahren viele Bewohner der sizilianischen Kleinstadt Trappeto ins Bergische Land nach Solingen, um dort in der Klingenindustrie zu arbeiten.

In ruhigem Ton, anschaulich und einfühlsam, erzählt die Reportage die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe, von ihrem Ankommen, von den Herausforderungen der Integration und vom späteren Niedergang des Wirtschaftszweigs, in dem sie gearbeitet haben. So wird aus der Auswanderergeschichte in vielen Fällen eine Geschichte der Rückkehr, mit ambivalenten Gefühlen. Denn Heimat, so erfahren wir hier, ist nicht immer ein eindeutiger Begriff.

Die Reportage nutzt die Multimediaplattform »Pageflow« auf herausragende Weise: Statische Bilder und O-Töne lösen sich im linearen Fluss ab mit Karten, Texten und Videosequenzen. Beteiligte kommen ebenso zu Wort wie gut ausgewählte Experten. Das Ganze hat einen langsamen Rhythmus, wird aber nie langweilig. So ist »Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück« ein hervorragendes Beispiel für multimediales Storytelling im Dienste einer vielschichtigen Sozialreportage.